5.04.12

Freiheit vs. Grundeinkommen

Dieses Thema Kampf gegen Windmühlen: Carearbeit und Grundeinkommen erinnert mich mal wieder daran, warum ich mit “westdeutschem” Feminismus nichts anfangen kann. Man merkt hat den Eindruck, dass ihre Verteterinnen hauptsächlich Intellektuelle sind, die aus materiell gesicherten Verhälltnissen stammen.

Feminismus in dem Sinne war auch nie mein Thema. Dafür aber Gleichberechtigung. D.h. unabhängig von Geschlecht (und Alter) die gleichen Möglichkeiten zu bekommen. In der Theorie gabs das in der ddr. Manchmal auch in der Praxis. So war es für mich kein Problem, Mathematik zu studieren und später als Programmiererin zu arbeiten. Im Familien-, Bekannten- und Kollegenkreis war das normal. Ebenso Kindererziehung und Haushalt als Aufgabe beider Eltern (ok, das war nicht bei allen Kollegen so). Trotzdem hatte ich natürlich auch Glück. Allerdings wäre ich auch nie als Hausfrau daheim geblieben. Einfach war es trotzdem nicht, Haushalt, Kindererziehung (2 K) und Arbeit unter einen Hut zu bringen. Sowas ist für beide Partner harte Arbeit. Aber es lohnt sich.

Btw: Interessant war nach der Wendezeit zu beoachten, dass für einige Fach-Kollegen hier Frauen in der IT plötzlich nicht mehr selbstverständlich waren. Sie lernten schnell. :)

Letztlich hatten und haben Männer und Frauen hier ähnliche Probleme: Arbeiten um zu leben. Wenn man Glück hat, macht die Arbeit auch Spaß und /oder man kann gut davon leben. Wenn man Pech hat, steht man sie durch und überlebt. Wenn man ganz viel Pech hat, verliert man sie und ist plötzlich zu alt. Dann ist es egal, ob man Verkäuferin bei Schlecker war oder ITler. Die Bewerbungen älterer werden gleich aussortiert. Findet man nichts, droht der absolute Horror, Harz4.

Was würde das BGE ändern? Die Verkäuferin hätte endlich Zeit, das zu tun, was sie schon immer wollte: Kreativ sein, Bücher lesen … Vielleicht sie bildet sich weiter, findet auf einem ganz anderen Gebiet doch noch Arbeit oder geht in einen Verein. Der ITler programmiert aus Spaß, überzeugt und findet trotz Alter einen Job oder arbeitet ehrenamtlich in einem Verein mit. Ohne, dass sie sich Gedanken ums Überleben machen müssen.

Nein, ein Bedingungsloses Grundeinkommen löst nicht alle gesellschaftlichen Probleme, aber es macht das (Über)Leben einfacher. Es schafft Möglichkeiten für Menschen.

Vielleicht werden trotzdem noch mehr Frauen sich mit dem Sockel begnügen und die erwerbsarbeitsfreie Zeit verwenden, um für Kinder, Kranke und Alte zu sorgen .
Dann ist es unsere verdammte Pflicht, dafür zu kämpfen, dass sie die Möglichkeit für Alternativen haben. Dafür zu sorgen, dass Pflegeberufe eben keine Frauenberufe sind. Ebensowenig wie Erzieher. Kinder brauchen Männer und Frauen als Erzieher.
Erziehung der eigenen Kinder aber ist imho keine mit Erwerbsarbeit vergleichbare Tätigkeit. Es ist Familienleben. Wofür gesorgt werden muss: Beide Eltern müssen Zeit bekommen für ihre Kinder und diese Zeit muss gesellschaftlich anerkannt sein. Kinder brauchen beide Eltern (nicht nur als Ernährer und Erzeuger).

Kassandra | link | Kat: , | Kommentare

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8.12.11

Teile und verliere

Eine Methode der Machterhaltung ist “Teile und Herrsche”. Manchmal braucht es aber nicht mal des Gegners, damit sich (in einer grundlegenden Sache) eigentlich Gleichgesinnte gegeneinander stellen und damit langfristig verlieren.

Die Aufdeckung der verbrecherischen Taten des Jenaer Nazi-Trios hat u.a. zu Ratlosigkeit und Erklärungsversuchen geführt. Die Jenaer Linken, die JG Stadtmitte verwiesen darauf, dass sie rechtzeitig gewarnt, aber nicht gehört wurden. Andere mussten zugeben, dass sie diese Gefahr unterschätzt hatten.
Die Mehrheit einte aber das Entsetzen über diese Taten und die Hoffnung auf Aufklärung. Viele setzten sich aktiv dafür ein, dass rechtes Gedankengut, rechte Aufmärsche hier keinen Platz mehr haben. Zumindest letzteres war erfolgreich und als Jenaer/Jenenser ist man etwas stolz darauf.

Einige linke weisen darauf hin, dass das nicht reicht. Sie haben recht. Es reicht nicht. Aber es ist etwas, auf das man bauen kann und muss.
Ein Konzert gegen rechts ist für die Besucher vielleicht keine besondere Leistung, aber trotzdem ist es eine Aussage.

Einfache Erklärungen und Schuldzuweisungen im Sinne von “Die Jenaer/Ossis sind alle rechts und fremdenfeindlich und linke oder nichtweiße können sich hier nicht gefahrlos sehen lassen” sind zwar praktisch, wenn man nicht aus Jena / dem Osten ist (man kann seine Hände in Unschuld waschen) helfen in der Sache aber niemandem, der ernsthaft gegen Rassismus, rechte Gewalt, Ausgrenzung kämpfen will.

Wichtig sind gemeinsame Aktivitäten gegen Rechts und nicht ein Aufrechnen nach dem Motto: wir sind die besseren Anti-Rechten als ihr.

Es gibt Jenaer, denen ist ihre Stadt, ihr Land nicht wichtig. Umso mehr aber der Kampf gegen Fremdenfeindlichkeit, Rassismus, Nazis.
Es gibt Jenaer/Jenenser, denen ist ihre Heimat wichtig. Sie identifizieren sich mit ihr. Und sie haben ebenfalls sehr viel gegen Fremdenfeindlichkeit, Rassismus, Nazis. Aber sie fühlen sich von Pauschalisierungen ungerecht beurteilt und manche wehren sich dagegen.

Sollten beide Gruppierungen nicht lieber ihre Gemeinsamkeiten suchen, statt sich gegenseitig zu beschimpfen?




Die Gesellschaft hat Schuld! – Aber die Gesellschaft sind WIR!
Die Wutbürger von Jena
Rechtsterrorismus – wo alles begann / FAZ

Kassandra | link | Kat: , | Kommentare

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25.02.11

Werbung

… kann vieles sein: Nervig, böse, aufdringlich, originell, beratend, unwahr …
Solange wir im Kapitalismus leben, sind wir darauf angewiesen, unsere Produkte oder unsere Arbeitskraft zu verkaufen.
Damit der potentielle Kunde etwas darüber erfährt, gibts Werbung. Auch eine Bewerbung um eine Stelle ist Werbung in eigener Sache.

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Kassandra | link | Kat: die-welt-ist-nicht-schwarz-weiss, meinjanur | Kommentieren [1]

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